Liebe Leserin, lieber Leser!

 

 

Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit

 an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und

siehe, wie sie dir und mir, sich ausgeschmücket haben.

 

Fragt man nach dem beliebtesten Lied im Gesangbuch, liebe Leserin und lieber Leser, dann lautet bei den allermeisten die Antwort: „Geh aus, mein Herz“ von Paul Gerhardt.

Seltsam ist bei diesem Lied nun allerdings schon zu Anfang: es ist nicht einer, sondern es sind zwei, um die es hier geht. Ein „Ich“ nämlich und sein „Herz“. Und es dauert geschlagene sieben(!) Strophen, bis das „Herz“ sich endlich in Bewegung setzen lässt, „hinauszugehen“ und „Gottes Gaben“ zu entdecken. Offenbar ist das alles andere als selbstverständlich!

 Vor diesem Hintergrund fällt auf, wenn wir uns in der Paul-Gerhardtschen Gartenwelt etwas umschauen: Es sind lauter biblische Pflanzen und Tiere, die Gottes Schöpfungsgarten beleben. Bäume und Blumen, Vögel und Wildtiere, Schafe und Bienen bis hin natürlich zu Brot und Wein – sie alle entstammen den Büchern des Alten und Neuen Testa ments, den Weisheitsbüchern und Propheten, den Evangelien und Psalmen.

Ein menschliches Herz, das will uns der Dichter offenbar zeigen, braucht immer wieder gleichsam den „Zauberstab“ des biblischen Wortes um so beweglich zu werden, dass es den Sommergarten Gottes überhaupt sehen kann. Und auf diese Weise – das ist die große Verheißung - zu sich selbst findet, um schließlich mit einstimmen zu können:

 Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.

Möge Ihnen in den Tagen dieses Sommers ein Einblick in Gottes Schöpfungsgarten geschenkt werden,

wünscht Ihnen

Ihr

W. Eichler, Pfr.