Denkmaltag 2019 - die St. Nicolai-Kirche

Erstellt am 17.12.2018

Kaum ein anderer Sakralbau nimmt das diesjährige Thema „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ so treffend auf wie das Gebäude der St. Ev. Nicolai-Kirche. Entstanden zwischen 1927 und 1930 nach Plänen der Dortmunder Architekten Karl Pinno und Peter Grund in enger Zusammenarbeit mit dem Pfarrer Dr. Paul Girkon, wird sie heute dem Neuen Bauen zugeordnet. Die erste Sichtbetonkirche in Deutschland verzichtet auf Zierrat und besticht durch klare Geometrien und eine gewisse Sachlichkeit, wie sich auch in ihrer Materialität aus schalungsrauem Beton, Glas und Stahl zeigt. Die Verwendung dieser Materialien wurde in der Bevölkerung und in der Fachpresse kontrovers diskutiert. Manche bezeichneten die Kirche missbilligend als „Fabrik“, andere hingegen sahen in dem neuen formalen Ausdruck einen Aufbruch. Schon von außen ist eine neue Sprache in der Architektur ablesbar: So ergibt sich aus der vorgelagerten Pergola, welche über eine freiliegende Treppe erschlossen wird, dem 60 Meter hohen Turm mit dem bei Dunkelheit weit leuchtenden Neonkreuz, dem Kirchenraum auf trapezförmigem Grundriss und der im Halbkreis auslaufenden Taufkappelle ein prägnanter Bau, der auch städtebaulich dominiert. Im Innenraum sorgen die fast vollständig verglasten Seitenwände durch den sich je nach Tageszeit wandelnden Lichteinfall für ein beeindruckendes Lichtspiel. Die ursprüngliche Verglasung von Elisabeth Coester ist durch Kriegseinwirkungen im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und 1963 durch Verglasungen von Hans Gottfried von Stockhausen ersetzt worden. Ebenso wurden bezüglich der Lichtinszenierung Veränderungenvorgenommen: So verliefen zunächst Lichtbänder in den Eisenbetonbindern, die später durch Hängelampen ersetzt wurden. Derzeit wird über das Leben und Wirken des Architekten Peter Grund im Rahmen eines Projekts geforscht.* 

* Programmheft „Tag des Offenen Denkmals“ der Stadt Dortmund, Stadtplanungs– und Bauordnungsamt, Denkmalbehörde, S. 14.

 

Diese historischen Aufnahmen des Innenraumes der St. Nicolai-Kirche zeigen die ursprüngliche Beleuchtung.

Körperlose Lichtbänder liefen an den Rahmenbindern und an der Decke des Chorraumes entlang. Ein großes Lichtkreuz über dem Altar ragte vor dunklem Fenster auf.

Die Kirche sollte von innen nach außen wirken, gerade auch durch dieses Leuchten, und so eine „weithin wahrnehmbare und wirksame Bezeugung der sakralen Stätte im Lebensbereich Großstadt sein“ (W. Hegemann).

Der Förderverein der St. Nicolai-Kirche regt seit Längerem an, diese ursprüngliche Beleuchtung wieder herzustellen. Dazu fehlen allerdings noch die finanziellen Mittel.

Helfen Sie mit, dieses anspruchsvolle Vorhaben Wirklichkeit werden zu lassen!

Das Spendenkonto des Fördervereins finden Sie im aktuellen Gemeindebrief.      

Lutz Kaiser