Andacht

Liebe Leserin, lieber Leser,

am 8. September findet in diesem Jahr unser Gemeindefest „Rund um die Nicolai-Kirche“ statt.

Am 8. September ist auch wieder der „Tag des Denkmals“ unter dem Motto, bei dem unserer Kirche eine ganz besondere Aufmerksamkeit gilt. Denn auf den Wegen in die Moderne des kirchlichen Bauens ist diese Kirche als erste noch erhaltene deutsche Sichtbeton-Kirche natürlich von ganz besonderem Interesse.

Wie sollen Kirchbauten beschaffen sein?

Bei der Beantwortung dieser Frage ist von Belang, dass Architektur auf gestalterische, auf künstlerisch-ästhetische Weise vielfältig zu uns spricht.

Die Architektur der Dortmunder St. Nicolai-Kirche versuchte offenbar schon vor fast 90 Jahren zu sprechen einmal von Transparenz und Offenheit: Deshalb gibt es im eigentlichen Kirchraum keine geschlossenen Wände, sondern lichtdurchlässige Glasflächen, damit ein Austausch, damit ein Kontakt zwischen Innen und Außen, Außen und Innen stets erhalten bleibt. Sie spricht aber auch von Gleichheit: Wer hier Platz nimmt befindet sich unter Gleichen; mit gleicher, zumindest im Prinzip gleich guter Sicht- und Hörmöglichkeit – egal, wo man auf den Bänken seinen Platz findet. Und sie spricht von Freiheit. Denn nicht nur soll dieser Raum die, die ihn betreten aufrichten und sie freier atmen lassen; gerade durch seine in mancher Hinsicht provozierenden Elemente wollte und will er auch herausreißen aus den Fesseln bequemer Gewohnheiten. - Vergessen wir nicht, dass der vom damaligen Presbyterium beschlossene Entwurf der Architekten Pinno und Grund vom Konsistorium der westfälischen Kirchenbehörde in Münster abgelehnt wurde; erst eine weniger provinzielle Entscheidung aus Berlin hat dann den Bau der Kirche doch noch ermöglicht!

Es gibt Grund zur Dankbarkeit für diesen bald 100 Jahre lang zu uns sprechenden Kirchbau. 

Wolfram Eichler, Pfr.