Andacht

Seit alter Zeit wird im Advent der alte Brauch gepflegt, einen aus dem Garten abgeschnittenen Zweig eines Obstbaumes oder den Zweig einer Forsythie, in eine Vase mit Wasser zu stellen. So treibt der Zweig mit der Zeit aus. Er bildet erst zarte Knospen, um dann zum Weihnachtsfest in voller Blüte zu stehen. Weiße, rosarote, strahlend-gelbe Blütenpracht mitten im Winter!

 

Dieser Brauch geht auf die Legende der Barbara von Nikomedien zurück. Sie soll im 3. Jahrhundert gelebt und sich zum Christentum bekehrt haben. Das war jedoch nicht gern gesehen und man befahl ihr, ihrem Glauben wieder abzusagen. Als Barbara sich weigerte, wurde sie wegen ihres Bekenntnisses ins Gefängnis geführt.

Auf ihrem Weg dorthin, blieb sie aber an einem winterlich kahlen Kirschbaumzweig hängen. Diesen nahm sie mit und stellte ihn in ihrem dunklen Gefängnis ins Wasser. In ihrer Not fand Barbara so Trost und Hoffnung. Denn der Kirschzweig – obwohl er bereits wie tot schien – begann in ihrer Zelle zu blühen. Da spürte Barbara, dass sie in ihrer Angst und Sorge nicht allein war. Sie spürte Gottes Nähe und Liebe bei sich im Anblick des blühenden Zweiges.

 

Und so stellen die Menschen bis heute noch immer an ihrem Gedenktag, dem 4. Dezember, Zweige ins Wasser, damit sie am Weihnachtstag blühen.

 

Der Barbarazweig ist ein Symbol für Weihnachten geworden. Er sagt uns mit seinen Blüten: Mitten in die Dunkelheit der Menschen hinein kommt Gott und lässt uns wissen, dass wir nicht allein sind. Besonders zu den Armen und Schwachen wie Barbara will er kommen, um sie zu trösten und aufzurichten, um bei ihnen zu sein.

 

Vielleicht haben ja auch Sie in diesem Jahr einmal Lust, am 4. Dezember einen Barbarazweig ins Wasser zu stellen. Dann kann er Ihnen am Weihnachtstag still, in vielen Farben blühend, von der Botschaft des großen Festes erzählen.

 

Thomas Böhmert