Liebe Leserin, lieber Leser!

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24), lautet die Jahreslosung für das Jahr 2020.

Zu dieser Jahreslosung haben Gottfried Heinzmann und Hans-Joachim Eißler ein Lied geschrieben: „Ich will an dich glauben“ (zu finden auf www.jahreslosung.net).

Mit diesem Lied möchten die beiden Autoren unsere Aufmerksamkeit besonders auf den zweiten Teil der Jahreslosung lenken: „…hilf meinem Unglauben!“. So heißt es im ersten Teil des Refrains: „Hilf mir doch! Halte mich! Ich will an dich glauben und kann es oft nicht.“

Die Strophen erzählen davon, was das Glauben schwer macht. „Ich glaube, doch mein Glaube zerbricht. Das Leben überfordert mich schlicht. Die Leere schafft sich immer mehr Raum. Was Halt gab, kommt mir vor wie ein Traum“, heißt es etwa in der ersten Strophe.

So geht es in dem Lied darum, wie das Leben den Glauben erschüttern kann: Persönliche Krisen wie ein schwerer Verlust, eine große Einsamkeit können das. In der biblischen Geschichte, aus der die Jahreslosung stammt, ist es die Krankheit eines Kindes, die den Glauben eines Vaters anficht. Aber auch die Not, das Leid und die Ungerechtigkeit in der Welt können den Glauben in Zweifel ziehen.

 

Diese Erfahrung, die in dem Lied zur Sprache kommt, ist eine, die wohl die meisten Menschen machen: Der Glaube, so stark er auch ist, wird in Frage gestellt. Er büßt seine Festigkeit und seine Kraft ein, wenn das Leben hart zuschlägt. Und doch ist weiterhin Glaube da und die Sehnsucht, dass er dem Leben Halt geben möge und dass er trägt.

So schlägt das Lied von Heinzmann und Eißler viele dunkle und fragende Töne an. Aber es gibt auch Mut zur Hoffnung. Denn all diese Zweifel und Fragen werden immer wieder durchbrochen durch die gesungenen Worte „Hilf mir doch! Halte mich! Dir will ich vertrauen, denn du bist meine Zuversicht.“

Das Lied ermutigt, am Glauben festzuhalten und unsere Fragen und unsere Zweifel vor Gott zu bringen – wie der Vater in der biblischen Geschichte: Dieser wendet sich mit seinem angefochtenen Glauben und mit seinem Kummer an Jesus. Und der schickt ihn nicht fort, sondern nimmt ihn an und hilft dem Vater sogar. So können auch wir es wagen, alles, auch die Zweifel und den Unglauben, vor Gott bringen und zu ihm sprechen: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“.

Ihr Pfarrer Thomas Böhmert