Andacht

„Zu Ostern suchen wir Ostereier!“ – Das wissen schon die Kinder im Kindergarten. Suchen und finden gehören zum Osterfest dazu.

Das hat natürlich in der Suche der Frauen am ersten Ostermorgen seinen Ursprung. Dabei hatten die Frauen anfangs gar keine Ahnung davon, dass sie Menschen auf der Suche waren. Sie dachten vor Überraschungen sicher zu sein; meinten nur allzu genau zu wissen, was sie erwartete: Die Toten tot und begraben und die, die – noch – lebten, auf dem kurzen Weg zum Grab. Das ist doch die Ordnung der Dinge: die Lebenden hier, die Toten auf der anderen Seite.

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.“

Mit dieser Botschaft des Engels kommt die Möglichkeit ein für alle Mal in die Welt, dass es auch anders sein könnte.

Dass nicht der Tod, sondern das Leben das letzte Wort über diese von Krieg, von Leiden und von Sterben gezeichnete Welt hat.

Du hast einen lieben Menschen verloren und meinst, du kannst nichts mehr tun, als ihn ins Grab geleiten?   „Gott hält für ihn eine Zukunft bereit“, ruft der Osterengel dir zu. Und österliche Menschen – und nichts anderes sind ja Christinnen und Christen – entdecken sich als Suchende.

Da, wo du es nie vermutest hättest, machst du einen überraschenden Fund. Was du für eine persönliche Niederlage hieltest, erweist sich als eine Chance. Und ein gewöhnliches Samenkorn, ein blühender Zweig werden dir zum Gleichnis für das Himmelreich. Und die ausgestreckte Hand hat mehr Wahrheit als die geballte Faust.

Ich wünsche Ihnen im Namen des Presbyteriums eine gesegnete Osterzeit!

Ihr

Wolfram Eichler